Die ehrenamtlichen Vorstände der 63 Ortsverbände des mit ca. 16.000 Mitgliedern größten Kreisverbandes des Sozialverbandes VdK Hessen-Thüringen e.V.  trafen sich im Bürgerhaus Wieseck; u.a. um in diesem Jahr einen neuen Vorstand zu wählen.

Der aktuelle, ebenfalls ehrenamtlich arbeitende, Vorstandsvorsitzende des Kreisverbandes begrüßte und leitete – immer wieder humorvoll – durch die Tagesordnung.

Bisheriger Vorstand von li => re; Christian Vocke, Friedhelm Seemann, Nicole Klös-LeBanc, Sascha Lember (Podium), Horst und Sigrid Weitze, Doris Harbach, Regina Theiß

Francesco Arman, Stadtrat Dezernates III (Schule, Weiterbildung, soziale Angelegenheiten) sprach das erste Grußwort und betonte dabei, der VdK sei das soziale Gewissen im Land. Von Seiten des Magistrats bedankte er sich für die sozialpolitische Arbeit der Ortsverbände.

Francesco Arman, Frank Ide, Benjamin-Sebastian Unverricht

Frank Ide, Kreisbeigeordneter des Landkreises Gießen, zuständig für Jugend, Soziales und Migration und damit den größten Ausgabenposten im Haushalt des Landkreises, sprach an, wie wichtig die Unterstützung von bedürftigen Menschen ist. Allerdings erlebe er bei den Menschen einen Vertrauensverlust in die staatlichen Institutionen und Zukunftsängste in Bezug auf Rente, Gesundheit, Pflege, Infrastruktur. Schön wäre es, wenn es private Initiativen wie den VdK oder die Tafel nicht bräuchte.

Herr Unverricht, Leider der Bezirksgeschäftsstelle Gießen und des Beratungszentrums des VdK, berichtete von den aktuellen Umstellungen und Umorganisationsarbeiten im VdK. Da manches mit der IT oder organisatorisch und personell noch nicht so laufe, wie geplant, komme es zu unschönen Verzögerungen in den Abläufen, die aufgearbeitet werden müssten. Die zuvor allein von den ehrenamtlichen Sozialberatern durchgeführten Beratungen sollen in Zukunft in Beratungszentren von Hauptamtlichen übernommen werden. Denn pro Woche sind ca. 1.000 Anrufe zu bewältigen – wozu ab November mehr Personal eingestellt ist. Aufgaben werden getrennt, um mehr Effizienz zu erreichen. Aber die technische Infrastruktur und die IT werfen noch Probleme auf.

Herr Lember kommentierte dazu, dass für die Mitglieder des VdK Erreichbarkeit elementar sei, da sie zumeist mit ihren Angelegenheiten persönlich unter Druck stünden; eine zentrale, erreichbare Schnittstelle wäre höchst wünschenswert, da sie gezielt zu zuständigen Stellen weiterleiten könne.
Auch seien die vom Landesverband angenommenen Menschen nicht ideal. Der Großteil der Mitglieder ist a) bereits älter, b) mit den Abläufen und Verfahren nicht vertraut und c) zumeist nicht IT-affin.
Zudem könne eine unpersönliche Abwicklung nicht funktionieren. Insbesondere in den Ortsverbänden lebe das Miteinander aus dem persönlichen Kontakt.

Als neues Mitglied des Vorstandes im Ortsverband Biebertal Fellingshausen-Krumbach bin ich ein noch unbefangener Beobachter des VdK. Gerade in den eben geschilderten Momenten sehr ich eine oft zu beobachtende und doch merkwürdige Entwicklung:

Menschen organisieren sich in Ortsverbänden selbst, bringen sich mit großem Engagement für die Interessen anderer ein, schaffen Strukturen, die sinnvollerweise auch professionell verwaltet werden müssen und dann scheinen die hauptamtlich Beschäftigten zu vergessen, dass sie die Diener und nicht die Herren des Systems sind.
Verständlicherweise wird von Seiten des Landesverbandes, also von der konkreten Arbeit vor Ort fernen Hauptamtlichen, betriebswirtschaftlich gedacht. Das ist einerseits sinnvoll, es muss aber die besondere Situation einer Vereinsstruktur berücksichtigt werden. Denn die sich ehrenamtlich engagierenden Menschen sind keine Angestellten. Wenn sie frustriert aufgeben, zumindest wenn sie das massenhaft tun würden, wäre die gesamte Organisation tot und die Hauptamtlichen wären ihre Jobs los.
Hier scheint mir aktuell ein bedeutsames Problem im VdK als einer großen Organisation sichtbar zu werden, die Grundidee der Selbstorganisation von Hilfen scheint auf dem Blick zu geraten: das betriebswirtschaftliche Streben nach Effizienz zwar ist ein durchaus wichtiger Aspekt, aber der Kern des Vereinsgedankens beruht auf menschlicher Nähe und die lässt sich sinnvollerweise nicht bzw. nur bedingt in fixe Abläufe pressen.
Wenn die Menschen nicht mehr mitgenommen werden, wenn sie sich in fremde Abläufe fügen sollen und wie Maschinenteile oder Waren behandelt werden, dann wird etwas kippen.

Deutlich war bei den Anwesenden zu spüren, wie sehr das Nichterscheinen eines Repräsentanten aus dem Landesverband als Missachtung des Ehrenamtes verstanden wurde, dass der VdK Grundsatz „Wir lassen niemanden allein“ offenbar von denen „da oben“ nicht verstanden ist oder gegenüber den eigenen Leuten nur als hohle Floskel gesehen wird.

Und doch überwog der Wunsch nach mehr Miteinander, mehr öffentlicher Sichtbarkeit des Verbandes, nach Verjüngung, nach neuen Ideen. „Wir müssen für die Menschen erreichbar sein, nahbar sein!“ Technische Mängel gehören beseitigt und dabei sollte der Verein unbedingt schneller werden und seine Prozesse transparent gestalten.

Nach gründlichen Aussprachen und Diskussion von Anträgen aus der Reihe der Ortsgruppen wurden als neuer Vorstand, alle mit überwältigender Mehrheit, gewählt:

  • Sascha Lember – Vorsitzender
  • Horst Weitzel – stellv. Vorsitzender
  • Regina Theiß – Kassenführung 
  • Sigrid Weitzel – Schriftführerin
  • Nicole Klös-LeBlanc – Jugend- und Seniorenvertreterin, wichtige Hauptamtliche in Gießen
  • Gerda Hermann – Frauenbeauftragte
  • Doris Harbach – stellv. Frauenbeauftragte
  • Friedhelm Seemann – Betriebsarbeit
  • Christian Vocke – IT-Beauftragter

Zudem wurden die Delegierten und möglichen Stellvertreter zum Landesverbandstag 2027, neben Sascha Lember, der als Vorsitzender gesetzt ist, gewählt:

  • Nicole Klös-LeBlanc
  • Doris Harbach
  • Joachim Burkhardt
  • Friedhelm Seemann
  • Marco Merz
  • Uli Zöller
  • Christian Vocke
  • Regina Theiß
  • Sigrid Weitze

Die Veranstaltung endete mit einem Ständchen für Doris Harbach, die am 10.10. an ihrem Geburtstag zum Treffen des VdK gekommen war.

Fotos: Lindemann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert