Nein, nicht der 90! Es war ja auch kein „Dinner for one“ sondern ein „Dinner für 100“. Und Silvester war auch nicht. Karheinz Leib, unser Nachbar, hatte fast die ganze Nachbarschaft eingeladen, dazu Verwandte, z.B. seine zwei Schwestern, Patenkinder, Weggefährten aus dem Dorf. Der Männeranteil überwog. Seine Schulkameraden waren an einem Tisch versammelt. Sohn Mathias meint zwar, es seien nicht mehr viele. Am Lärmpegel merkte man das nicht. Karlheinz, geboren am 5. Juli 1944 in Fellingshausen, damals Kreis Wetzlar, bezeichnet sich selbst als „Mittelkind“, d.h. Druck von oben und Druck von unten. Der Druck von unten, also die jüngere Schwester, gibt folgende Anekdote zum Besten: „Du willst doch bestimmt Fahrrad fahren lernen. Steig auf, ich halte dich fest. Du musst nur treten und lenken.“ Was die kleine Schwester auch tat. Als sie mal zur Seite schaute, merkte sie, dass der größere Bruder weit hinter ihr stand, statt sie festzuhalten. Sie war also ganz alleine gefahren. Scheint also auch ein begnadeter Lehrer gewesen zu sein, der Karlheinz. Er will noch viele Silvesterabende feiern und natürlich auch den 90. Geburtstag – mindestens. Abgesehen von kleineren Erkrankungen ist ihm das auch zuzutrauen. Als er geboren wurde, war es nicht selbstvertändlich, dass er ein so hohes Alter erreichen würde. Die Tabelle unten zeigt, dass 1950 gerade mal 700.000 Deutsche 80 Jahre und älter wurden. 1950 wurde Karlheinz am 1. April im Alter von 5 Jahren und 10 Monaten eingeschult, in der Schule in der Rodheimer Straße, die heute die Grundschule Fellingshausen beherbergt. Nach Absolvieren der achtjährigen Schulpflicht fing er folglich schon im Alter von 13 Jahren seine Lehre bei der Firma… an. Seine Arbeitsstellen wechselte er des öfteren, um neue Techniken kennenzulernen. Mit 60 Jahren ging er in Rente.
Karlheinz pflegte etliche Hobbies, Wandern und Radfahren sind die wichtigsten. Das Trampeln wird ihm nun schon seit etlichen Jahren durch das E-Bike erleichtert. Lange Zeit begleitete ihn Ehefrau Heidrun. Jetzt ist er auch oftmals alleine unterwegs. Das Ehepaar hat oft einfach die Räder hinten aufs Auto geladen und dann am Zielort eine längere Tour gestartet. Karlheinz leitete jahrelang eine Wandergruppe mit 45 Mitgliedern. Die Gruppe erkundete per pedes ganz Mittelhessen, Teile Thüringens, z.B. den Rennsteig. Als Mitglied im Dünsberg-Verein ging es bei den Touren natürlich immer auch bergauf und bergab. Außerdem war er eine Zeitlang bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv.

Das Ehepaar fährt in jedem Jahr einmal nach St. Peter Ording bzw. ins Allgäu. Früher kamen auch etliche Bustouren mit den Freunden aus dem Dorf hinzu. Auch wenn er nur im deutschsprachigen Raum unterewegs war, so hat er sehr gute geographische Kenntnisse. Körperlich schwere Arbeit hat ihm Sohn Mathias weitgehend abgenommen. Aber wenn einmal pro Jahr der Brennholzlieferant eine ganze Fuhre vor die Garageneinfahrt kippt, ist Karlheinz munter beim Stapeln.

Mit dem Radfahren ist auch eine Verbindung geschaffen zum Verein „Menschen für Kinder“, für den der Jubilar um Spenden bat.

Quelle Statistisches Bundesamt

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