{"id":620,"date":"2020-10-13T09:02:18","date_gmt":"2020-10-13T09:02:18","guid":{"rendered":"http:\/\/fellingshausen.bibibo.info\/?p=620"},"modified":"2024-01-16T17:28:28","modified_gmt":"2024-01-16T15:28:28","slug":"rede-zum-volkstrauertag-2017-fellingshausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fellingshausen.bibibo.info\/?p=620","title":{"rendered":"Rede zum Volkstrauertag 2017 \u2013 Fellingshausen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/meinungstreff.biebertaler-bilderbogen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/20191125_154329-576x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-308\"\/><figcaption>Erinnerung an den in Fellingshausen abgest\u00fcrzten Piloten, Foto: Lindemann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zu unserer Gedenkfeier am heutigen Tage hei\u00dfe ich (Dr. Alfons Lindemann) Sie alle willkommen.<br>Unser Ortsvorsteher Dieter Synowszik hat mich gebeten, Gr\u00fc\u00dfe auszurichten und als sein Stellvertreter die diesj\u00e4hrige Rede zum Volkstrauertag zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sie von Brunnenfest wissen, bin ich nicht der geborene Redner, eher ein Schreiber.<br>So habe ich mich an die Arbeit gemacht und geschrieben. Doch so ein Text l\u00e4sst sich nicht leicht fassen, st\u00e4ndig ver\u00e4ndert er sich mit jedem Lesen vor meinem inneren Auge.<br>Beim Vorlesen habe Sie also bitte Geduld und Nachsicht mit mir.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Nachvollziehen, Mitnehmen und Weitergeben finden Sie hier vorn einige Exemplare des Textes ausgedruckt. (Zudem, das konnte ich 2017 noch nicht wissen, gibt es nun die M\u00f6glichkeit, die Gedanken hier im Biebertaler Bilderbogen zu erhalten und nachzulesen.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Volkstrauertag<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>ist ein Tag der&nbsp;<strong>Erinnerung an die Kriegsopfer<\/strong>&nbsp;\u2026 und ein&nbsp;<strong>Gedenken an die Schrecken des Krieges<\/strong>&nbsp;\u2026&nbsp;<strong>\u00fcberall&nbsp;<\/strong>auf der Welt, \u2026<br>aber auch ein Tag f\u00fcr die Lebenden, die \u201e<strong>nie wieder Krieg, Hass und Verfolgung<\/strong>\u201c wollen, \u2026&nbsp;<strong>nirgendwo<\/strong>!<\/p>\n\n\n\n<p>So m\u00f6chte ich die Tradition des&nbsp;<strong>Vers\u00f6hnungsfestes<\/strong>&nbsp;aufgreifen, das sich in verschiedenen Formen im Judentum, Christentum und Islam erhalten hat und jeweils als h\u00f6chster Feiertag gilt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bitte geben und halten Sie jetzt Ihren Nachbarn, als Zeichen des Friedens, die Hand.<\/strong><br><strong>Sp\u00fcren Sie bitte nach<\/strong>, wie Sie meine Aufforderung spontan empfunden haben: &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>als Einladung und M\u00f6glichkeit, der man folgen kann?<br>als Befehl, dem Gehorsam zu leisten ist?<br>als Unversch\u00e4mtheit, der man Widerstand leisten muss?<br><strong>Bitte sp\u00fcren Sie auch nach<\/strong>, auf welcher Seite es Ihnen leichter gefallen ist, Ihre Hand zu reichen \u2026<br>oder die angebotene Hand zu nehmen \u2026<br>oder zu merken, dass die ausgestreckte Hand leer bleibt, z.B. wenn Sie am Ende der Reihe sitzen oder Ihr Nachbar keine k\u00f6rperliche Verbindung zu Ihnen aufnehmen wollte oder konnte.<br>Wie f\u00fchlt es sich an, sich so nahe zu kommen \u2026<br>vielleicht mit jemand bisher Unbekanntem oder mit einem Bekannten auf eine neue Weise in Kontakt zu kommen \u2026<br>oder eben leer auszugehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin \u00fcberzeugt,&nbsp;<strong>im vertrauten Miteinander gibt es weniger Gegeneinander<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir wieder mehr miteinander in Kontakt kommen und etwas miteinander tun und teilen, wird der&nbsp;<strong>Friede im Kleinen<\/strong>, die wohlwollende und gelassene Haltung im Alltag wieder Vertrauen ineinander wachsen lassen und die Chance auf den&nbsp;<strong>Frieden im Gro\u00dfen&nbsp;<\/strong>erh\u00f6hen.<br>Viele Projekte vom Sch\u00fcleraustausch, \u00fcber Praktika in anderen L\u00e4ndern, gemeinschaftliche Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge, St\u00e4dtepartnerschaften usw. sind gute Beispiele daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will einen Anfang machen und pers\u00f6nliches von mir mit Ihnen teilen:<\/p>\n\n\n\n<p>Lange blieben mir pers\u00f6nlich die Fakten, auf die ich sp\u00e4ter eingehe, in den 50er und 60er Jahren des Vorjahrhunderts verschlossen. Man vermied es weitgehend, auch in der Schule, \u00fcber die dunkle Zeit Deutschlands zu sprechen.<br>So blieb der Volkstrauertag f\u00fcr mich lange bedeutungslos.<br>Auch die Pflicht-Selbsterfahrung von 1\u00bd Jahren Bundeswehr \u00e4nderte daran nichts; machte mir jedoch die anschlie\u00dfende Kriegsdienstverweigerung&nbsp; wichtig.<br>Noch dazu f\u00fchlte ich mich nach der Zeit als Soldat so leer, dass es zumindest das Gute nach sich zog, dass ich zu Lernen begann und viele neue Horizonte erschloss.<br>Ich suchte nach einem anderen, nicht verdinglichenden, nicht in Geld abgewogenen, weniger entfremdeten, menschlicheren Miteinander.<br>Ich k\u00fcndigte meine Bankkarriere, wurde Arzt und Psychologe.<br>Heute h\u00f6re ich mir in meiner Arbeit Lebensgeschichten an, suche zu verstehen, was die Menschen bewegt und erarbeite mit ihnen, wie sie von sch\u00e4digenden Gedanken zu ges\u00fcnderem und wohltuenderem Verhalten kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Solches<strong>&nbsp;&gt;Geschichten erz\u00e4hlen&lt;<\/strong>, pers\u00f6nlich zu werden,&nbsp;<strong>schafft Ankn\u00fcpfungspunkte<\/strong>, so dass Verbindungen entstehen k\u00f6nnen. Zudem wecken Aufgaben Neugierde und Forschergeist bringt neue Erkenntnisse:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Im&nbsp;<strong>Hauptteil der Rede<\/strong>&nbsp;berichte ich \u00fcber Geschichte<\/h4>\n\n\n\n<p>da das Wissen darum unser heutiges Denken verst\u00e4ndlicher macht und uns Gefahren f\u00fcr die Freiheit fr\u00fcher erkennen l\u00e4sst:<br>Urspr\u00fcnglich wurde&nbsp;<strong>seit 1923<\/strong>&nbsp;in der Fastenzeit vor Ostern, auf Initiative des &gt;Volksbunds deutscher Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge&lt; ein &gt;<strong>Volkstrauertag<\/strong>&lt; gefeiert; als Ausdruck der&nbsp;<strong>Trauer um die Toten des Ersten Weltkriegs 1914-18.<\/strong><br><strong>Der Termin<\/strong>, jetzt am Ende des Kirchenjahres, also in der dunklen Jahreszeit, die mit dem scheinbaren Tod der Natur verbunden ist und gleichzeitig mit der Hoffnung auf Wiedergeburt im Fr\u00fchjahr, wurde von den Gr\u00fcnderv\u00e4tern der Republik&nbsp;<strong>in Abgrenzung zum &gt;Heldengedenktag&lt; im Dritten Reich<\/strong>&nbsp;gew\u00e4hlt.<br>Denn die Umbenennung von &gt;Volkstrauertag&lt; in &gt;Heldengedenktag&lt;&nbsp;<strong>1934<\/strong>&nbsp;diente damals der psychologischen Einstimmung auf einen neuen Krieg. Ein neues \u201eVorbild\u201c wurde f\u00fcr diejenigen geschaffen, (<em>Zitat: Adolf Hitler vom 10. 3. 1940<\/em>) \u201edie bereit waren, sich selbst aufzugeben, um der Gemeinschaft das Leben zu erhalten\u201c.<br>So erinnerte der Termin 16. M\u00e4rz des damaligen Staatsfeiertages denn auch an die&nbsp;<strong>Wiedereinf\u00fchrung der<\/strong>&nbsp;<strong>allgemeinen Wehrpflicht 1935.<\/strong><br><strong>Seit 1950<\/strong>&nbsp;wird dieser &gt;Volkstrauertag&lt; auch in der Bundesrepublik als einer der \u201estillen Feiertage\u201c begangen; allerdings jetzt am letzten Sonntag vor dem Advent.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsprechend stie\u00df&nbsp;<strong>1956<\/strong>&nbsp;in der jungen Bundesrepublik die&nbsp;<strong>Wiedereinf\u00fchrung der allgemeinen Wehrpflicht<\/strong>&nbsp;auf heftigen&nbsp;<strong>Widerstand<\/strong>&nbsp;in der Bev\u00f6lkerung;<br>ihre&nbsp;<strong>Abschaffung 2011<\/strong>&nbsp;blieb dagegen relativ resonanzlos.<br>\u00dcberhaupt scheint das&nbsp;<strong>Thema Milit\u00e4r<\/strong>&nbsp;bei uns, inzwischen satten und friedensverw\u00f6hnten, Menschen wenig Beachtung zu finden.<br>Wir finden es eher lustig, wenn&nbsp;<em>Mario Barth<\/em>&nbsp;aufdeckt, dass&nbsp;<em>Ursula von der Leyen<\/em>&nbsp;7700 Handtaschen und Umstandskleidung f\u00fcr Soldatinnen ausgibt oder f\u00fcr 200.000 Euro Pizzakartons zur Rekrutenwerbung drucken l\u00e4sst.<br>Die 6,1 Mio. Euro Steuergelder f\u00fcr Youtube-Werbung, in denen die Bundeswehr als Arbeitgeber mit besten Aufstiegschancen (in den Himmel) geworben wird, sind dann schon nicht mehr lustig.<br>Kaum jemand regt sich noch auf \u00fcber Deutschlands horrenden Waffenlieferungen \u2013 in 2016 fast 3 Milliarden Euro (eine Zahl mit 12 Nullen) \u2013 oder die Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr seit 1990.<br><strong>Nach offizieller Lesart<\/strong>&nbsp;sind es \u201efriedenserhaltende und friedenssichernde Ma\u00dfnahmen au\u00dferhalb der Bundesrepublik\u201c; faktisch jedoch sind es Eins\u00e4tze in Kriegen, die seit den Weltkriegen nie mehr aufgeh\u00f6rt haben.<br>Best\u00e4ndig sterben Menschen, weil die produzierten Waffen gebraucht und verbraucht werden m\u00fcssen.<br>Von den weltweiten Beteuerungen \u201e<strong>Nie wieder Krieg<\/strong>\u201c, nach den ca.&nbsp;<strong>50 Mio. Toten<\/strong>&nbsp;des zweiten Weltkrieges, lie\u00df sich die Waffenlobby nicht \u00fcberzeugen, sie verdienen und lassen sterben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im allgemeinen Bewusstsein<\/strong>&nbsp;scheinen der Kosovo, wie der nahe und ferne Osten oder Afrika weit weg \u2026<br>ebenso wie die EU-Wirtschafts-Subventionen, die die afrikanischen Bauern arbeitslos machen und hungern lassen.<br>Das \u00e4nderte sich mit der&nbsp;<strong>Fl\u00fcchtlingskrise 2015<\/strong>, als 1,1 Mio. Menschen zu uns kamen.&nbsp;<br><strong>Absehbar pl\u00f6tzlich<\/strong>&nbsp;standen afghanische, syrische und afrikanische Krisenfl\u00fcchtlinge vor der eigenen Haust\u00fcr und es werden \u2013 angesichts der drohenden Klima-Krise \u2013 mehr werden!<\/p>\n\n\n\n<p>Das l\u00f6ste&nbsp;<strong>ambivalente und oft irrationale Gef\u00fchle<\/strong>&nbsp;aus:<br>einerseits zeigte sich eine&nbsp;<strong>Willkommenskultur<\/strong>, wie man das aus Zeiten der&nbsp;<strong>Grenz\u00f6ffnung der Deutsch-Deutschen-Grenze 1989<\/strong>&nbsp;kannte,<br>andererseits wurden&nbsp;<strong>\u00c4ngste<\/strong>&nbsp;ausgel\u00f6st:<br>vor dem Fremden, vor Wohlstandsverlust und vor anstehenden Ver\u00e4nderungen allgemein.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon&nbsp;<strong>in den 70er Jahren<\/strong>&nbsp;warnte der&nbsp;<strong>\u201eClub of Rome\u201c<\/strong>&nbsp;vor den&nbsp;<strong>\u201eGrenzen des Wachstums\u201c<\/strong>&nbsp;und sp\u00e4testens&nbsp;<strong>seit den 1990er Jahren<\/strong>&nbsp;pr\u00e4gt die westliche Welt die&nbsp;<strong>Angst vor wirtschaftlichem Abschwung<\/strong>.<br>Immer deutlicher zeigt sich inzwischen, dass der Markt keine Grenzen setzt, dass Liberalisierung, Maschinenlogik und Effizienzsteigerung Sozialabbau, Armut und Unzufriedenheit bewirken.<br>Oft verdr\u00e4ngt, ist doch allen klar, dass es&nbsp;<strong>in einer endlichen Welt kein Wachstum&nbsp;<\/strong>gibt.<br>Werbewirksam wird uns da lediglich&nbsp;<strong>Umverteilung<\/strong>&nbsp;verkauft; obwohl die&nbsp;<strong>Wachstumsideologie&nbsp;<\/strong>einer&nbsp;<strong>Eskalationslogik<\/strong>&nbsp;folgt, also ein&nbsp;<strong>Selbstzerst\u00f6rungsprogramm<\/strong>&nbsp;ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider baden dabei erst Generationen sp\u00e4ter die gro\u00dfen Folgen von Ausbeutung und Kolonialisation<br>aus.&nbsp;<strong>Absehbar pl\u00f6tzlich merkt man, dass man Geld nicht essen kann.<\/strong><br><em>Dagobert Duck<\/em>&nbsp;mit seinem Geldspeicher, als&nbsp;<strong>Sinnbild des&nbsp; amerikanisch-westlichen Traums<\/strong>, ist bei genauem Hinschauen eine&nbsp;<strong>Zeitungsente<\/strong>.<br>W\u00e4hrend wir als Einzelne immer weniger verstehen, wie die&nbsp;<strong>globalisierte Welt<\/strong>&nbsp;funktioniert; erleben viele ganz&nbsp;<strong>pers\u00f6nlich<\/strong>, wie die laufende Beschleunigung und Arbeitsverdichtung krank machen; wie Sinnleere und Beziehungsbr\u00fcche entstehen \u2026 und die Angst, abgeh\u00e4ngt zu werden.<br>Gleichzeitig nehmen famili\u00e4re und \u00f6rtliche Bindungen ab; pers\u00f6nliche Beziehungen schwinden und die Aufgaben werden von \u00f6ffentlichen Institutionen \u201e\u00fcbernommen\u201c.<br>Doch keine Kinderkrippe kann liebende Eltern ersetzen; Schule kann keine Erziehung leisten und schon gar kann sich kein kommerzielles Altenheim oder privatisiertes Krankenhaus liebevolle Zuwendung leisten \u2026 usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Zunehmend wird weniger&nbsp;<strong>Verantwortung<\/strong>&nbsp;\u00fcbernommen;<br>\u201eSachzw\u00e4nge\u201c sch\u00fctzen vor eigenem \u201eschuldig werden\u201c.<br>Dabei kann man aus Fehlern lernen und sich weiterentwickeln;<br>Fehlervermeidung, am besten \u201ealternativlos\u201c, schafft Stillstand.<br>So k\u00f6nnen wir beobachten, wie dabei&nbsp;<strong>Wertorientierungen verfallen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Es steigt das&nbsp;<strong>subjektive Gef\u00fchl der Unsicherheit<\/strong>&nbsp;\u2026 und wird durch Medienberichte verkaufsf\u00f6rdernd gesch\u00fcrt.<br>Auch wenn z.B.&nbsp;<strong>objektiv<\/strong>, laut Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, die Zahl der Straftaten 2016, im Vergleich zum Vorjahr, um 1,9 % zur\u00fcckging.<br>In solchen Verh\u00e4ltnissen ist man&nbsp;<strong>chronisch gestresst<\/strong>, kann daher weniger klar denken und&nbsp;<strong>sehnt sich<\/strong>&nbsp;nach \u00dcbersichtlichkeit und Ordnung, nach Verstehbarkeit und einfachen L\u00f6sungen.<br>Und tats\u00e4chlich sind sie wieder da die national und engstirnig gesinnten, die Volksverhetzer, die sich im gleichen Atemzug als deren Retter inszenieren, die in einer komplexen Welt einfache Antworten anbieten, die logischerweise keine L\u00f6sung \u2013 au\u00dfer Zerst\u00f6rung \u2013 bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>So sch\u00f6n es ist, wenn&nbsp;<strong>alles \u00fcberall zu haben ist<\/strong>, doch hei\u00dft Globalisierung eben auch Entdifferenzierung und f\u00fchrt zu&nbsp;<strong>Identit\u00e4tskrisen<\/strong>.<br>Damit haben wir uns selbst den idealen N\u00e4hrboden f\u00fcr&nbsp;<strong>die neuen \u201eHeilsverk\u00fcnder\u201c<\/strong>&nbsp;bereitet, die sich inzwischen \u00fcberall auf der Welt melden.<br>Ob USA, Polen, Ungarn, T\u00fcrkei usw., \u00fcberall f\u00f6rdern die Demagogen die Spaltung der Gesellschaften.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Spaltung<\/strong>&nbsp;ist, psychologisch gesehen, ein fr\u00fchkindlicher, sehr unreifer Abwehrmechanismus, um die eigenen Vorstellungen von der Welt in Takt zu halten. Man macht dabei sozusagen ein Auge zu und l\u00e4sst einen Teil der Welt aus dem eigenen Bewusstsein verschwinden; man vernichtet diesen Teil \u2026 was Ungutes ahnen l\u00e4sst.<br>Auf dieser fr\u00fchen Entwicklungsstufe gibt es&nbsp;<strong>nur&nbsp;<\/strong>\u201eentweder-oder\u201c, \u201egut oder b\u00f6se\u201c, \u201ewir oder die\u201c \u2026<br>so wie wir es immer auch in der&nbsp;<strong>Kriegsrhetorik<\/strong>&nbsp;klingt und in Firmen als&nbsp;<strong>Konkurrenzdenken<\/strong>&nbsp;zu h\u00f6ren ist. Dabei verweist das \u201edie\u201c auf eine gef\u00e4hrliche Entmenschlichung der Anderen, die so&nbsp;<strong>zu Feinden definiert<\/strong>&nbsp;werden.<br>In solch naiv gedachter Welt muss man das B\u00f6se&nbsp;<strong>nur vernichten<\/strong>, damit das Gute \u00fcbrig bleibt. \u2026<br>bis dahin hat man jedoch so viel gemordet, dass man selbst zum B\u00f6sen geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber um das zu erkennen, m\u00fcsste man schon&nbsp;<strong>eine Entwicklungsstufe weiter&nbsp;<\/strong>sein und die Szene aus einer&nbsp;<strong>dritten Position<\/strong>&nbsp;beobachten k\u00f6nnen.<br>Diese&nbsp;<strong>Triangulierungs- und Reflektionsf\u00e4higkeit<\/strong>&nbsp;entwickelt sich allerdings erst ab dem 3.-4. Lebens- bzw. Entwicklungsjahr.<br>Erschreckenderweise wird dieser&nbsp;<strong>Reifegrad<\/strong>&nbsp;zunehmend seltener erreicht; viele bleiben im selbstbez\u00fcglichen \u201eSelfie\u201c-stadium h\u00e4ngen und widmen ihre Aufmerksamkeit oberfl\u00e4chlicher Selbstopitmierung.<br><strong>Je unreifer die Erwachsenen, umso weniger k\u00f6nnen sie ihren Kinder helfen, sich weiter zu entwickeln.&nbsp;<\/strong>Entsprechende Klagen h\u00f6re ich zunehmend aus Kinderg\u00e4rten und Schulen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Je erwachsener<\/strong>&nbsp;man in seiner Entwicklung wird,&nbsp;<br><strong>umso differenzierter<\/strong>&nbsp;stellt sich die Welt dar,&nbsp;<br><strong>umso mehr<\/strong>&nbsp;muss man lernen&nbsp;<strong>Komplexit\u00e4t<\/strong>&nbsp;<strong>und<\/strong>&nbsp;damit&nbsp;<strong>Unkontrollierbarkeit<\/strong>&nbsp;<strong>auszuhalten<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kein R\u00fcckgriff<\/strong>&nbsp;auf fr\u00fchere, also kindliche oder nationalistische Verhaltensmuster, wird eine brauchbare Antwort auf die komplexen Bedingungen in der Welt bieten.<br>Es wird&nbsp;<strong>keine separaten L\u00f6sungen<\/strong>&nbsp;mehr geben; viel zu sehr hat der Mensch die Welt \u2013 in geschichtlich relativ kurzer Zeit \u2013 ver\u00e4ndert!<br>All die Versuche, aus egoistischen Interessen, die globalen Herausforderungen, wie&nbsp;<strong>Klimawandel, Wassermangel usw<\/strong>., zu verleugnen, werden unseren Kindern und Enkeln teuer zu stehen kommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Trotzdem<\/strong>, wie wir aus repr\u00e4sentativen Erhebungen wissen, haben durchg\u00e4ngig ca. 20-30 % der Bev\u00f6lkerung noch immer eine rechte Gesinnung. Die seit 2002 durchgef\u00fchrten \u201eMitte Studie\u201c zu rechtsextremen Einstellungen in Deutschland zeigen&nbsp;<strong>bev\u00f6lkerungsrepr\u00e4sentativ&nbsp;<\/strong>eindeutige&nbsp;<strong>Ergebnisse<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Es gibt auch 2016 (nach dem Fl\u00fcchtlingsstrom Richtung Deutschland 2015) keine Zunahme rechtsextremer Einstellungen.<\/li><li>Es gibt jedoch eine zunehmende Polarisierung<br>\u2013 Sie erinnern sich: \u201ewir und die\u201c \u2013<br>und eine Zunahme von Gewaltbereitschaft und Aggressionen gegen Muslime, Sinti, Roma und Asylsuchende.<\/li><li>Rechtsextreme haben in der AfD eine Heimat gefunden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die rechte Gesinnung wurde jetzt \u201elediglich\u201c wieder hoff\u00e4hig und f\u00fchrte in der politischen Parteienlandschaft zu erdrutschartigen Umbr\u00fcchen.<br>Sich deshalb an rechten Parolen zu orientieren, h\u00e4tte schlimme Folgen f\u00fcr unser Zusammenleben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hier bekommt der &gt;Volkstrauertag&lt; wieder eine ganz aktuelle<\/strong>&nbsp;<strong>Bedeutung<\/strong>:<br>Denn wieder gilt:&nbsp;<strong>\u201eWehret den Anf\u00e4ngen\u201c.<\/strong><br>Hier sei an&nbsp;<strong>Pastor Martin Niem\u00fcller<\/strong>&nbsp;(1890-1984) erinnert, der&nbsp;<strong>1937<\/strong>&nbsp;im nationalsozialistischen KZ Dachau schrieb:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eErst kamen sie f\u00fcr die Sozialisten \u2013 Und ich habe nichts gesagt,<br>denn ich war kein Sozialist.<br>Dann kamen sie f\u00fcr die Gewerkschaftler \u2013 Und ich habe nichts gesagt,<br>denn ich war kein Gewerkschaftler.<br>Dann kamen sie f\u00fcr die Juden \u2013 Und ich habe nichts gesagt,<br>denn ich war kein Jude.<br>Dann, kamen sie f\u00fcr mich \u2013 Und da gab es keinen Menschen,<br>der f\u00fcr mich etwas sagen konnte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heute, hier, 80 Jahre danach<\/strong>, erinnere ich daran, dass Frieden, Freiheit, Arbeit, Wohlstand, Bildung und Gl\u00fcck, Abwesenheit von Hunger und eine gute medizinische Versorgung keine Selbstverst\u00e4ndlichkeiten sind. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>2016 geben die USA 611 Milliarden, China 215, Russland 69, Saudi Arabien 63 und an 9. Stelle die BRD 41 Milliarden Dollar angeblich f\u00fcr \u201e<strong>Verteidigung\u201c<\/strong>&nbsp;aus.<br>F\u00fcr&nbsp;<strong>Bildung und Forschung<\/strong>&nbsp;hingegen wurden im Haushalt 2016 in der BRD, die sich ironischerweise \u201eBildungsgesellschaft\u201c nennt, lediglich 16,4 Milliarden Euro \u2013 weniger als die H\u00e4lfte! \u2013 ausgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<strong>Aufkl\u00e4rung ab 1700<\/strong>&nbsp;hoffte, durch&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rationalit%C3%A4t\"><strong>rationales<\/strong><\/a><strong>&nbsp;Denken<\/strong>&nbsp;alle den&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fortschritt\">Fortschritt<\/a>&nbsp;behindernden Strukturen zu \u00fcberwinden. Mittlerweile wissen wir, dass&nbsp;<strong>Gef\u00fchle und nichtrationale Beweggr\u00fcnde<\/strong>&nbsp;deutlich im Vordergrund menschlicher Entscheidungen stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Da liegt noch viel Arbeit (an uns selbst) vor uns!<\/strong><br>Ohne dass wir die Selbstentfremdung \u00fcberwinden, ohne dass wir mehr Eigenwahrnehmung schulen und damit Raum f\u00fcr Empathie schaffen, wir es wohl so weitergehen, wie gehabt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnten dazu auch vorausdenkend Geldfl\u00fcsse zukunftsorientiert leiten, statt der Gier Raum zu gestatten. Denn<strong>&nbsp;heute<\/strong>&nbsp;geht es uns wirtschaftlich sehr gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war&nbsp;<strong>nach dem Krieg<\/strong>&nbsp;anders, als von&nbsp;<strong>1945-50 &nbsp;10,7 Mio. Menschen<\/strong>, also 10mal so viele wie heute, zu uns kamen.<br>Trotzdem wurde die&nbsp;<strong>Integration gemeistert<\/strong>.<br>Zugegeben, die hatten \u00e4hnliche religi\u00f6se Hintergr\u00fcnde und \u00e4hnliche kulturelle Werte.&nbsp;<strong>Und doch&nbsp;<\/strong>waren sich z.B. Katholiken und Protestanten untereinander so wenig gr\u00fcn, dass man untereinander nicht heiraten konnte; dass Waisenkinder in Familien aufgenommen wurden, um sie auf keinen Fall der anderen Religion in die H\u00e4nde fallen lassen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele&nbsp;<strong>Heimatvertriebene<\/strong>&nbsp;kamen auch nach Fellingshausen; von einem Tag auf den anderen waren sie damals da und mussten versorgt und untergebracht werden.<br>Die \u00c4lteren werden sich&nbsp;<strong>erinnern<\/strong>, wie schwer es war, als anders zu gelten und nicht dazu zu geh\u00f6ren, eine andere Sprache zu sprechen, andere kulturelle Werte gewohnt zu sein.<br>Auch heute gibt es&nbsp;<strong>bei den Einheimischen<\/strong>&nbsp;das unbehagliche Gef\u00fchl: da kommen viele Menschen, die haben wollen, was \u201eich\u201c hart erarbeitet habe!<br>Selbst wenn ich die Gr\u00fcnde der Flucht verstehe, bleibt ein Gef\u00fchl der Ungerechtigkeit: Werde ich etwa f\u00fcr meine Leistungen gew\u00fcrdigt?<br>Und, \u2026<br>wurde ich zuletzt nicht schon genug von den Managern, Politikern und Banken betrogen? \u2026 nach dem Motto:&nbsp;<strong>\u201eGewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert\u201c<\/strong>, wie&nbsp;<em>Karl Marx<\/em>&nbsp;das 1848 ausdr\u00fcckte.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich schafft das&nbsp;<strong>Unzufriedenheit, die ein Ventil braucht<\/strong>: aber keine Hooligans, Ultras oder Terroristen, kein \u201edagegen\u201c, \u2026<br>sondern intelligenter Weise ein konstruktiv streitendes, demokratisches Miteinander, ein \u00fcberlegtes \u201ewof\u00fcr\u201c und \u201ewohin\u201c.<br>Dabei braucht es immer wieder ein Unterstellen von Wohlwollen und Engagement f\u00fcr das&nbsp;<strong>Allgemeinwohl<\/strong>, \u2026 das immer auch am egoistischen Interesse des Einzelnen interessiert sein muss \u2026<br>auch wenn der am Ende im Kompromiss nur einen Teil seiner W\u00fcnsche realisiert bekommt. \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Das gilt es auszuhalten! \u2026 geht aber nur, wenn man rechtzeitig&nbsp;<strong>Frustrationstoleranz<\/strong>&nbsp;erlernt hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Egoismus<\/strong>, so erkl\u00e4re ich das in meiner Praxis immer an meinem Kartoffelacker, den ich in Rodheim hinter dem Haus hatte: \u201ewenn ich egoistischerweise dicke Kartoffeln wollte, musste ich den Boden d\u00fcngen, die Pflanzen pflegen\u201c. Sytemisch gesehen<strong>, kann es mir nur Gutgehen, wenn es meiner Umgebung gut geht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>So ist das auch in der Gemeinde,&nbsp;<\/strong>wie man sch\u00f6n am diesj\u00e4hrigen Brunnenfest in Fellingshausen sehen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Als Fazit<\/strong>&nbsp;meiner Eindr\u00fccke zum &gt;Volkstrauertag&lt;<\/p>\n\n\n\n<p>ist dieses Gedenken und Bedenken ein Tag geworden, der die Sehnsucht nach&nbsp;<strong>Frieden und Kooperation&nbsp;<\/strong>zum Ausdruck bringt.<br>Wenn all die Toten nicht umsonst gestorben sein sollen, gilt es, den Auftrag ernst zu nehmen, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen und den n\u00e4chsten Generationen weiterzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist, \u00e4hnlich wie beim Thema Klimanwandel, nur zu schaffen, wenn wir es zu unserem gemeinsamen Projekt machen.<br>Denn wenn der andere nicht als Konkurrent um knappe Ressourcen gesehen wird, sondern als&nbsp;<strong>Bereicherung durch Zusammentragen von Wissen und K\u00f6nnen<\/strong>, \u2026<br>dann sind wir in unserer Gemeinschaft deutlich besser aufgestellt.<br>Dann liegt die Aufmerksamkeit nicht auf Missgunst, sondern auf gemeinsamem&nbsp;<strong>Mit-gestalten und Zusammenarbeit<\/strong>;<br>so wie es z.B. die Vereinsgemeinschaft in Fellingshausen in vorbildlicher Form tut und ebenso die vielen Einzelgruppen, die sich in und f\u00fcr unsere Gemeinde engagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sind wir ganz nahe an der&nbsp;<strong>Ursprungsidee zum &gt;Volkstrauertag&lt;,<\/strong>&nbsp;wo es in den 50er Jahren hie\u00df:<br>\u201edie Deutschen sollten durch ein gemeinschaftliches Gedenken ihrer Kriegsopfer als Volk zusammenwachsen. Unabh\u00e4ngig von Gesinnung, Religion oder sozialem Status k\u00f6nne hier eine Einheitlichkeit entstehen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute erscheint die&nbsp;<strong>Idee eines \u201eVolkes\u201c absurd<\/strong>,<br>denn: wer wollte definieren, wer dazu geh\u00f6rt und wer nicht?<br>Die meisten Germanen z.B. leben in Polen \u2013 das belegen genetische Untersuchungen.<br>Letztlich lebt Entwicklung durch den Austausch von Genen, wie Ideen.<br>Inzwischen ist unser Erbgut entschl\u00fcsselt; es zeigt, dass die Wiege aller heute lebender Menschen \u2013 schwarz, braun, wei\u00df, rot, gelb \u2013 in Afrika stand.&nbsp;<strong>Unsere Gene zeigen, dass wir alle Br\u00fcder sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<strong>Rassenideologie der NS-Diktatur<\/strong>&nbsp;hat sich im Zuge wissenschaftlichen Fortschritts als gro\u00dfer&nbsp;<strong>Schwindel<\/strong>&nbsp;entpuppt.<br>Ebenso ist die Vorstellungen&nbsp;<strong>\u00fcberholt, Konkurrenz sei das wichtigste \u00dcberlebensprinzip.<\/strong>&nbsp;<br>Dieser Gedanke des \u201eSurvival of the fittest\u201c, vom britischen Sozialphilosophen&nbsp;<em>Spencer&nbsp;<\/em>1864 formuliert, wurde ja von der NS-Ideologie f\u00fcr sich funktionalisiert.<br>Heute wissen wir:&nbsp;<strong>schon Kleinstkinder kooperieren<\/strong>&nbsp;und lassen sich von uneigenn\u00fctzigen Impulsen leiten; \u2026 bis mehr und mehr&nbsp;<strong>kulturelle Pr\u00e4gungen<\/strong>&nbsp;Raum greifen und die Resonanz- und Bindungserfahrungen im Miteinander weniger werden.<br>Das best\u00e4tig sich in erschreckender Weise, wenn man h\u00f6rt, dass&nbsp;<strong>Kinder ca. 400 mal \/ Tag<\/strong>&nbsp;<strong>L\u00e4cheln und Lachen<\/strong>,&nbsp;<strong>Erwachsene dagegen nur noch ca. 15 mal.<\/strong><br>Dabei ist Lachen au\u00dferordentlich Gesund; wie alles, was in&nbsp;<strong>Bewegung<\/strong>&nbsp;ist; w\u00e4hrend&nbsp;<strong>alles Erstarrte und Chronische<\/strong>&nbsp;schwerste Krankheiten oder \u2013 auf gesellschaftlicher Ebene \u2013 Konflikte nach sich zieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten von uns haben nie so etwas schreckliches, wie&nbsp;<strong>Krieg, Hunger, Vertreibung usw.<\/strong>, erlebt; \u2026<br>aber auch nicht die enge&nbsp;<strong>Kameradschaft und Verbundenheit<\/strong>, die in der Not geboren wird: man ist aufeinander angewiesen \u2026 und sp\u00fcrt dies leibhaftig.<br>An der Bushaltestelle vor unserer Grundschule steht:&nbsp;<strong>\u201eJeder hilft jedem\u201c.<\/strong>&nbsp; \u2026<br>Das ist wichtig und gut zu lesen, \u2026 am besten jeden Tag!<br>Und dennoch erreichten wir Z\u00e4une und pflegen den&nbsp;<strong>Individualismus<\/strong>; und sp\u00fcren bedr\u00fcckende&nbsp;<strong>Einsamkeit<\/strong>.<br>So hat mit wachsendem Wohlstand die&nbsp;<strong>Zufriedenheit<\/strong>&nbsp;in unserem Lande seit 1945 kontinuierlich abgenommen.<br>Gl\u00fcck ist offensichtlich nicht an Wohlstand gebunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn kein materieller Wohlstand und kein staatliches Sicherungssystem kann das Erleben von echter Beziehung und Sicherheit in der Gruppe ersetzen; \u2026 weil Bindung evolution\u00e4r mit besseren \u00dcberlebenschancen verkn\u00fcpft ist.<br><strong>Daher kann man Kinder auch nicht mit Zuwendung oder Ber\u00fchrung<\/strong>&nbsp;<strong>verw\u00f6hnen<\/strong>, wie man das Anfang des 20. Jahrhunderts dachte \u2026 und damit folgsame Soldaten produzierte.<br>Allerdings darf man auch&nbsp;<strong>nicht vers\u00e4umen, Grenzen und Regeln<\/strong>&nbsp;<strong>aufzuzeigen<\/strong>, da sowohl Schutz (Begrenzung in realer Gefahr) wie Trost (regelhaft zu erwarten, bei echtem Bedarf, wenn das Kind sich nicht selbst zu ordnen und zu beruhigen wei\u00df) wesentlich sind&nbsp;<strong>f\u00fcr<\/strong>&nbsp;<strong>ein funktionierendes \u201eIch\u201c, das sich in eine Gemeinschaft integrieren kann<\/strong>.<br><strong>Zentral daf\u00fcr<\/strong>&nbsp;ist realer, wiederholter, zuverl\u00e4ssiger Kontakt, nicht medialer per \u201ewhat\u00b4s app-Nabelschnur\u201c oder \u201eTablet-Schnuller\u201c.<br>Viele Gehirnzellen reagieren nicht einmal auf zweidimensionale Bilder; viele bewegte Bilder k\u00f6nnen nur mit Vorwissen verstanden und verdaut werden.&nbsp;<strong>ADHS und Co.,<\/strong>&nbsp;wie auch&nbsp;<strong>allergische Reaktionen,<\/strong>&nbsp;nehmen also nicht ohne Grund zu.<br>Ebenso&nbsp;<strong>sterben heute<\/strong>&nbsp;weit, weit mehr Menschen an Fehlern\u00e4hrung, \u00dcbergewicht und seinen Folgen, an Krebs, Unf\u00e4llen, Medikamenten- und Drogenkonsum, Depression oder Krankenhauskeimen, als durch Terroristen oder Rinderwahnsinn.<br>Statistisch ist es eben so, dass<strong>&nbsp;Seltenes selten ist und H\u00e4ufiges h\u00e4ufig.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir leben hierzulande an einem der sichersten Orte der Welt<\/strong>&nbsp;\u2013 auch wenn die Medien uns anderes suggerieren.<br><strong>Wir sollten also unsere Kraft da investieren, wo es Sinn macht:<\/strong><br>Zukunft braucht Zuwendung und Investitionen dort, wo das Leben weitergeht \u2013 bei unseren Kindern.<br>Die wiederum brauchen weise und f\u00e4hige Erwachsene.<br>Um das zu erreichen braucht es&nbsp;<strong>vielf\u00e4ltigen Austausch, Reflektion, R\u00fcckmeldungen und immer wieder: die eigen Entwicklung<\/strong>.<br>Denn nur auf uns selbst l\u00e4sst sich zuverl\u00e4ssig Einfluss nehmen;<br>allerdings k\u00f6nnen wir&nbsp;<strong>einladen und teilen<\/strong>; \u2026<br>das macht sogar gl\u00fccklich, wie die Gl\u00fccksforschung zu berichten wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt also viele hinreichend Gr\u00fcnde,&nbsp;<strong>Angst&nbsp;<\/strong>oder&nbsp;<strong>Hoffnung<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>liebevolle Zuwendung<\/strong>&nbsp;zu entwickeln; zu gedenken und zu bedenken:<br>Letztlich bleibt es&nbsp;<strong>unsere eigen Entscheidung<\/strong>, wovon wir uns leiten lassen, wo wir hinschauen, welche Haltung wir einnehmen, was wir interpretieren und welche Bedeutung wir geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Zur\u00fcck in der Zeit gibt es nur in der Phantasie;<br><strong>es gibt aber die Wahl<\/strong>, sich verantwortlich im Rahmen seines Wissens und seiner M\u00f6glichkeiten, jeder an seinem Ort, zu engagieren; Hass und Misstrauen entgegenzutreten und&nbsp;<strong>gut f\u00fcr sich zu sorgen, indem jeder das Gemeinwohl st\u00e4rkt<\/strong>.<br>Zeit hat jeder jeden Tag 24 Stunden. Es ist eine Frage der Priorit\u00e4ten, wohin die Aufmerksamkeit geht und welches Erleben wir damit erzeugen.<br><strong>Fangen wir nicht im Kleinen an, kann kein Schneeballeffekt im Gro\u00dfen wirken.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eWir haben nur die Welt, die wir gemeinsam mit anderen hervorbringen.\u201c<\/strong>&nbsp;<em>Maturana und Varela&nbsp;<\/em>(1984)<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten also wieder,&nbsp;<strong>wie hier und heute<\/strong>,&nbsp;<strong>mehr Zeit darauf verwenden, einander kennen zu lernen<\/strong>, Geschichten zu erz\u00e4hlen, Fragen zu stellen und zu beantwortet, etwas zusammen zu tun und zu bewegen \u2026 und uns der Wechselwirkungen bewusst zu werden, \u2026<br><em>(wie z.B. in dem friedvollen Miteinander Ihrer H\u00e4nde, die Ihnen vielleicht erst jetzt wieder bewusst werden und mit einem freundlichen Verabschieden nach links und rechts losgelassen werden k\u00f6nnen)<\/em><br>statt in platten \u201eentweder-oder\u201c-Ursache-Wirkungs-Schuld-Zusammenh\u00e4ngen zu denken. &nbsp;<br>Dann sieht die Welt anders aus, \u2026 bunter, erwachsener.<br>Gelassener<strong>&nbsp;bieten&nbsp;<\/strong>dann<strong>&nbsp;Beziehungen und Vertrauen echten Schutz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mir jedenfalls scheint, dass in konstruktiven Auseinandersetzungen, im Geben und Nehmen, im Teilen und Mit-teilen unsere menschlichen St\u00e4rken liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen allen viel davon; herzlichen Dank.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. med. Alfons Lindemann<br>Stellvertretender Ortsvorsteher<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu unserer Gedenkfeier am heutigen Tage hei\u00dfe ich (Dr. Alfons Lindemann) Sie alle willkommen.Unser Ortsvorsteher Dieter Synowszik hat mich gebeten, Gr\u00fc\u00dfe auszurichten und als sein Stellvertreter die diesj\u00e4hrige Rede zum Volkstrauertag zu halten. 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